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Anschläge pro Minute: Was als gut gilt, wie Schulen und Wettbewerbe zählen und wie du WPM umrechnest

Wie viele Anschläge pro Minute sind gut? Richtwerte aus Wettschreibordnung und Schulwettbewerben, die Zählregeln und eine gemessene Umrechnung von WPM.

· · ca. 6 Minuten Lesezeit

Tastatur mit Zähler, der Anschläge pro Minute und Wörter pro Minute nebeneinander anzeigt.
Inhalt
  1. Was als Anschlag zählt
  2. Richtwerte: Wie viele Anschläge pro Minute sind gut?
  3. WPM und Anschläge umrechnen
  4. So wird in Schule und Wettbewerb gemessen
  5. Anschläge pro Minute selbst testen

Anschläge pro Minute zählen jeden Tastendruck, den du in einer Minute machst – Buchstaben, Leerzeichen, Satzzeichen und auch die Umschalttaste. In Schulen, Prüfungen und Schreibwettbewerben im deutschsprachigen Raum ist das die übliche Einheit, während Tipptests im Internet meist Wörter pro Minute (WPM) anzeigen. Dieser Artikel zeigt, welche Werte verbindlich gefordert werden, wie gezählt wird und wie du deine WPM zuverlässig in Anschläge umrechnest.

Was als Anschlag zählt

Die Wettschreibordnung des Deutschen Stenografenbunds legt fest: „Als Anschlag gilt jede Bedienung einer Schreib- oder Funktionstaste.“ Daraus folgt dreierlei:

  • Leerzeichen zählen mit. Jede Leertaste ist ein Anschlag.
  • Großbuchstaben zählen doppelt. Umschalttaste und Buchstabe sind zwei Anschläge; dasselbe gilt für Zeichen, die du über Umschalt oder Alt Gr erreichst.
  • Anschläge sind nicht dasselbe wie Zeichen. Ein Text mit 1.000 Zeichen kann je nach Anteil an Großbuchstaben 1.040 oder 1.070 Anschläge kosten.

Bei Fehlern unterscheiden die Regelwerke genau. Der Stenografenbund wertet unter anderem falsche, fehlende, zusätzliche und vertauschte Zeichen als je einen Fehler. Die Fehlerquote bezieht sich auf alle geschriebenen Anschläge: Fehler × 100 ÷ Anschläge ergibt den Fehlerquotienten in Prozent (10-Minuten-Abschrift).

Richtwerte: Wie viele Anschläge pro Minute sind gut?

„Gut“ hängt vom Maßstab ab. Die folgenden Werte stammen aus verbindlichen Regelwerken und einer großen Studie; die WPM-Spalte ist unsere Umrechnung (Anschläge ÷ 5, für deutschen Fließtext etwas weniger – siehe nächster Abschnitt).

Geforderte und gemessene Werte im Vergleich
MaßstabAnschläge/Min.≈ WPMFehlergrenze
Urkunde Schülerleistungsschreiben RLP: Grundschule / bis 14 Jahre / ältere Schüler40 / 60 / 808 / 12 / 16–
Stenografenbund, Perfektionsschreiben (10 Min.), Praktikerklasse: Schüler / Jugendliche / Erwachsene100 / 140 / 18020 / 28 / 360,1 %
Stenografenbund, Schnellschreiben (20 Min.), Praktikerklasse: Schüler / Jugendliche / Erwachsene120 / 160 / 20024 / 32 / 400,5 %
Stenografenbund, Schnellschreiben (30 Min.), Meisterklasse: Schüler / Jugendliche / Erwachsene160 / 200 / 24032 / 40 / 480,5 %
Intersteno-Internetwettbewerb 2026 (10 Min.): Kinder / Schüler / Junioren / Senioren150 / 180 / 200 / 240 Zeichen30 / 36 / 40 / 481 % (Senioren 0,5 %)
Durchschnitt in einer Online-Studie mit rund 168.000 Teilnehmendenca. 260 Zeichenca. 52–

Quellen: Wettbewerbsordnung RLP-Schülerleistungsschreiben, Wettschreibordnung des Deutschen Stenografenbunds, Abschnitt 3.1, Intersteno-Regeln 2026, Dhakal et al. (2018).

Zwei Dinge fallen auf. Erstens sind die geforderten Werte niedriger, als viele erwarten: Wer im Online-Test 50 WPM schafft, liegt rechnerisch über der Mindestanforderung der Meisterklasse. Zweitens sind die Fehlergrenzen streng. 0,5 % bedeuten bei 2.000 Anschlägen höchstens zehn Fehler – und in der Wettschreibprüfung wird nach 10, 20 oder 30 Minuten gewertet, nicht nach einem kurzen Sprint. Wie du die Fehlerquote senkst, zeigt der Leitfaden zur Tippgenauigkeit.

Auch die Wertung unterscheidet sich: Der Stenografenbund rechnet im Schnellschreiben Gesamtanschläge minus Fehler × 100, im Perfektionsschreiben Gesamtanschläge minus Fehler × 500. Die Intersteno zählt Zeichen statt Anschläge und zieht je Fehler 50 Punkte ab. Werte aus verschiedenen Wettbewerben lassen sich deshalb nur ungefähr vergleichen.

WPM und Anschläge umrechnen

Ein „Wort“ bei WPM ist genormt: fünf Zeichen einschließlich Leerzeichen. Die Grundformel lautet daher:

Zeichen pro Minute = WPM × 5

Für Anschläge kommen die Umschalt-Anschläge hinzu. Wie viele das in deutschen Texten sind, haben wir nachgezählt:

Eigene Messung: Wie viele Anschläge kostet ein Zeichen?
TextZeichenGroßbuchstabenAnschläge je ZeichenZeichen je Wort inkl. Leerzeichen
FastFingerRace-Wortliste „Deutsch – Top 200“200 Wörter0 %1,0005,63
Erzählprosa: Kafka, „Die Verwandlung“121.3563,6 %1,0386,28
Sachtext: die deutschen Artikel dieses Blogs81.5346,2 %1,0697,50

Methode: Fließtext ohne Tabellen und Listen; gezählt wurden Großbuchstaben sowie Satzzeichen, die auf der deutschen Tastatur die Umschalttaste brauchen (etwa ! ? : ; / ( ) und das gerade Anführungszeichen). Textgrundlage für Kafka ist die Ausgabe von Project Gutenberg. Stand: 28.09.2026.

Daraus ergibt sich eine Faustregel für deutschen Fließtext:

Anschläge pro Minute ≈ WPM × 5 × 1,04 bis 1,07

Beispiel: 60 WPM sind 300 Zeichen pro Minute. In Erzähltexten entspricht das rund 311, in Sachtexten rund 321 Anschlägen pro Minute. Mit der Top-200-Liste von FastFingerRace, die nur Kleinbuchstaben enthält, sind es genau 300.

Warum „Wörter pro Minute“ auf Deutsch in die Irre führt

Deutsche Wörter sind länger als fünf Zeichen: In unseren Texten kamen auf ein Wort 6,3 bis 7,5 Zeichen einschließlich Leerzeichen. Zählst du tatsächlich geschriebene Wörter, erhältst du deshalb deutlich weniger als die genormten WPM. 60 WPM entsprechen in deutschem Fließtext nur etwa 40 bis 48 echten Wörtern pro Minute. Wenn du Werte vergleichst, achte darauf, ob ein Test genormte oder echte Wörter zählt.

Rechner: WPM in Anschläge pro Minute

≈ 321 Anschläge pro Minute

Formel: WPM × 5 × Anschläge je Zeichen aus der Messung oben.

So wird in Schule und Wettbewerb gemessen

Das klassische Verfahren ist die 10-Minuten-Abschrift: Du schreibst zehn Minuten lang einen fortlaufenden Text von einer Vorlage ab. Die Wettbewerbsordnung des Rheinland-Pfälzischen Schülerleistungsschreibens beschreibt die Regeln genau:

  • Geschrieben wird im Zehnfingersystem, ohne Zeilen- und Absatzschaltung.
  • Erlaubt ist nur die Sofortkorrektur: Einen Fehler, den du sofort bemerkst, darfst du verbessern – liegt er weiter als ein Wort zurück, nicht mehr.
  • Nach zehn Minuten darf der Cursor nicht mehr bewegt werden. Alle Abweichungen von der Vorlage gelten als Fehler.

Aus Anschlägen und Fehlern ergibt sich die Note. Die Bewertungsschlüssel unterscheiden sich je nach prüfender Stelle – IHK, Handelskammer, staatlicher Ausschuss oder Stenografenbund. Für Anfänger ist laut Wikipedia häufig dieser Schlüssel üblich:

Verbreiteter Notenschlüssel nach Fehlerquotient
FehlerquotientNote
0,000 – 0,125 %sehr gut
0,126 – 0,250 %gut
0,251 – 0,375 %befriedigend
0,376 – 0,500 %ausreichend
0,501 – 1,000 %mangelhaft
über 1,000 %ungenügend

Ein Beispiel aus derselben Quelle: 1.560 Anschläge mit 3 Fehlern ergeben 3 × 100 ÷ 1.560 = 0,192 % – die Note „gut“. In den meisten IHK-Prüfungsordnungen wurde die 10-Minuten-Abschrift inzwischen durch andere Prüfverfahren ersetzt; im Unterricht und in Stenografenvereinen ist sie weiter üblich.

Anschläge pro Minute selbst testen

Mit einem Online-Tipptest kannst du deinen Wert gut schätzen, wenn du weißt, was er misst. So rechnet FastFingerRace:

  • Nur fehlerfreie Wörter zählen. WPM sind die Zeichen aller richtig getippten Wörter einschließlich des folgenden Leerzeichens, geteilt durch fünf und bezogen auf eine Minute. Ein Wort mit Tippfehler zählt gar nicht – das ist strenger als in der Abschrift, wo nur das falsche Zeichen als Fehler gilt.
  • Anschläge pro Minute zeigt der Ergebnisdialog direkt an – gezählt wie im Tastschreiben: dieselben Zeichen wie bei den WPM, dazu je Großbuchstabe die Umschalttaste.
  • Die Genauigkeit ist der Anteil richtiger Zeichen an allen getippten Zeichen. 99,5 % Genauigkeit entsprechen grob einem Fehlerquotienten von 0,5 % – die Regelwerke zählen Fehler aber etwas anders.

Für einen möglichst vergleichbaren Wert:

  1. Wähle den Standardmodus mit der längsten Dauer von 300 Sekunden. Ein langer Lauf kommt der 10-Minuten-Abschrift näher als ein 30-Sekunden-Sprint.
  2. Lies im Ergebnis den Wert „Anschläge/Min.“ ab. Mit der Liste „Deutsch – Top 200“ entspricht er WPM × 5, weil sie keine Großbuchstaben enthält.
  3. Übe Großbuchstaben gezielt mit der Liste „Deutsch – Groß- und Kleinschreibung“ und Umlaute mit „Deutsch – Umlaute und ß“. Sie kosten in echten Texten die meisten Zusatzanschläge.

Einen offiziellen Nachweis ersetzt ein Online-Test nicht. Zertifikate stellen Schulen, Kammern und Wettschreibvereine aus. Wenn du dein Tempo steigern willst, ist der Leitfaden zum Zehnfingersystem der beste Startpunkt; welche weiteren Kennzahlen es gibt, erklärt der Artikel Die Anatomie der Tipp-Effizienz.

Wie viele Anschläge pro Minute sind gut?

Das hängt vom Maßstab ab. Für die Urkunde des Rheinland-Pfälzischen Schülerleistungsschreibens genügen 40 bis 80 Anschläge pro Minute. Im Schnellschreiben des Deutschen Stenografenbunds verlangt die Praktikerklasse von Erwachsenen 200, die Meisterklasse 240 Anschläge pro Minute – bei höchstens 0,5 % Fehlern.

Wie rechne ich WPM in Anschläge pro Minute um?

WPM mal fünf ergibt die Zeichen pro Minute, weil ein „Wort“ bei WPM fünf Zeichen einschließlich Leerzeichen entspricht. Für deutschen Fließtext mit Großbuchstaben rechnest du etwa 4 bis 7 % Umschalt-Anschläge hinzu: 60 WPM entsprechen dann rund 310 bis 320 Anschlägen pro Minute.

Zählt ein Großbuchstabe als zwei Anschläge?

Ja. Nach der Wettschreibordnung des Deutschen Stenografenbunds gilt jede Bedienung einer Schreib- oder Funktionstaste als Anschlag. Für einen Großbuchstaben drückst du Umschalttaste und Buchstabe, also zählen zwei Anschläge.

Kann ich mit FastFingerRace eine 10-Minuten-Abschrift schreiben?

Nicht im Prüfungsformat. Der längste Standardtest dauert 300 Sekunden, und geschrieben werden Wörter aus einer Liste statt eines Fließtexts von einer Vorlage. Für eine Schätzung eignet sich ein 300-Sekunden-Lauf trotzdem gut – der Ergebnisdialog zeigt die Anschläge pro Minute direkt an; offizielle Nachweise stellen Schulen und Wettschreibvereine aus.

Quellen

  1. Deutscher Stenografenbund: Wettschreibordnungen Kurzschrift, Texterfassung, Textbearbeitung und -gestaltung (Beschluss vom 27.11.2022)
  2. Rheinland-Pfälzisches Schülerleistungsschreiben e. V.: Wettbewerbsordnung
  3. Intersteno: International keyboarding competition by Internet 2026 – Rules
  4. 10-Minuten-Abschrift – Wikipedia
  5. Dhakal, V., Feit, A. M., Kristensson, P. O., & Oulasvirta, A. (2018). Observations on Typing from 136 Million Keystrokes. CHI Conference on Human Factors in Computing Systems.
  6. Words per minute – Wikipedia
  7. Franz Kafka: Die Verwandlung (Project Gutenberg, Textgrundlage der eigenen Messung)

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